Archiv für das Tag 'Scheidung'

Scheidung – wirtschaftliche Abzocke bei Zugewinnausgleich

26. September 2011

Nicht ganz chronologisch, aber das Thema ist sehr wichtig, solltet Ihr Euch zu diesem Schritt entschieden haben.

Zur eigenen Geschichte: Nachdem meine Ex-Frau bei der Arbeit jemand neues kennen gelernt hatte, stellte sie die grundlegende Frage “Soll es eigentlich ewig so weitergehen ?”
Meine Entscheidung war es, nicht so weiterzumachen und nach gut einem Jahr Trennung stellte ich auch den Scheidungsantrag. Vielleicht hätte ich anhand der Vorkommnisse in diesem Jahr schon absehen können, was eintraf, allerdings versuchte ich mit allen Mitteln Streit innerhalb der Scheidung zu verhindern.

Zum Zeitpunkt einer Scheidung findet eine Aufstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse vor und nach der Ehe statt. In diesem Fall sah es recht einfach aus: Kurz vor der Ehe wurde ein Haus gekauft, ein geringes Startkapital wurde seitens meiner EX-Frau beigesteuert, ich übernahm in den folgenden Jahren (auch während der Ehe) die Abzahlung der Schulden. Zum Zeitpunkt der Scheidung war das Haus nur noch unter 44% belastet.

Grundlage der Berechnung ist es, dass alles während der Ehe (unabhängig davon wer was gezahlt hat) jeweils zu 50% beiden Partnern zugerechnet wird. Im Endeffekt ist dann die Summe der Anfangsbestände (vor Ehe) und Endbestände (Verbindlichkeiten negativ) der Zugewinn. Und dieser muss ausgeglichen werden.

Während der Berechnung wurde meinem Anwalt jedoch damals plötzlich ein Schreiben der Schwiegereltern vorgelegt, welches ihrer Tochter beträchtliche Schenkungen während der Ehe beschied, die ausdrücklich nur ihrer Tochter zugeordnet werden sollte. Auch wenn die Aussage gelogen war und nur dazu diente den eigenen Anteil meiner EX-Frau zu steigern, stand die Forderung trotzdem erstmal im Raum.

Rumms, da war es… absehbar aufgrund vorheriger Aktionen bestand plötzlich nur noch die Entscheidung um des Friedens Willen diese Schenkungen zu akzeptieren oder diese gerichtlich anzufechten (Wichtig: das ist möglich, die Beweislast liegt dann beim jeweiligen EX-Partner). Ich entschied mich für den Frieden, auch wenn ich das heute noch bereue, denn Frieden erfordert beide Seiten um eingehalten zu werden.

Bei der Berechnung des Zugewinns solltet ihr also vorher schon für Euch bewerten, ob es Wert ist einen Kampf einzugehen oder nicht (bitte den Anwalt dazu befragen !). Wenn bereits vorher (unfaire) Vorkommnisse im Verfahren waren, würde ich mir heute selber zum Kampf raten.

Aktuelle Urteile Familienrecht

6. September 2011

Wer einigermassen im Bilde bleiben möchte, welche aktuellen Urteile gefällt wurden, sollte sich mal die folgende Seite auf die Lesezeichen legen: Familienrechtsurteile

In diesem Jahr sind viele interessante Urteile gefallen (ich warte weiterhin auf mein Verfahren).

Das wesentlichste ist wohl das BGH-Urteil vom 15.06.11 zu Az.: XII ZR 94/09 zum Betreuungsunterhalt. Leider trifft das Urteil nur auf ein Kind zu und wird in weiteren Verfahren dann nach und nach zu Entscheidungen führen. Das nette dabei ist aber, dass die Beweispflicht ein wenig mehr zu Lasten der Unterhaltsempfänger Seite verschoben wurde. Lest Euch da einmal rein und überlegt (falls es zutrifft) zu Eurem Anwalt zu gehen.

Ebenso nett ist folgendes zu lesen: Beschluss des OLG Saarbrücken vom 26.11.2010, Aktenzeichen: 6 WF 118/10, jurisPR-FamR 3/2011, Anm. 1
Kommt ein getrennt lebender Elternteil seinen Verpflichtungen aus einem Vergleich oder einer gerichtlichen Entscheidung über die Ausübung des Umgangsrechts nicht nach, kann das Familiengericht gegen ihn ein Ordnungsgeld verhängen.
Leider hilft es nicht das Verhalten genau solcher entziehender Elternteile zu verbessern, aber immerhin erkennt der Gesetzgeber es als falsch an.

Neuanfang

10. Mai 2011

Nun habe ich seit langer Zeit hier nicht mehr geschrieben. Zum einen um das (noch immer) laufende Verfahren nicht zu gefährden, auf der anderen Seite hatte ich auch zu viel um die Ohren.

Es ist soweit… ich habe mich ran gesetzt, ein neues System aufgespielt und werde nun die Erfahrungen der letzten Jahre allen bereitstellen. Vielleicht, so habe ich die Hoffnung, liest es noch ein ebenso in die Situation geratenes Elternteil und findet nicht nur etwas Hilfe, sondern eventuell auch Hoffnung.

Die alten Texte findet Ihr weiterhin unter Nettux

Psychologisch geführter (EX) Ehekrieg mit kindlichen Opfern

20. November 2008

Seit einigen Jahren nun scheint die Quote der Scheidungen in Deutschland zu sinken… prinzipiell ein gutes Anzeichen, würde es doch bedeuten, dass entweder sich mehr Paare richtig zusammengefunden haben, oder, sich zumindest Arrangements gefunden haben.
Bis zum Jahr 2003 war die Anzahl der Scheidungen stetig gestiegen… und gleichzeitig auch die Anzahl der betroffenen Minderjährigen Kinder bis zum Höhepunkt von knapp über 170.000 in 2003.

Auf der einen Seite ist es vielleicht eine gute Entscheidung, wenn zwei Menschen feststellen, dass sie halt nicht für die Ewigkeit füreinander (oder miteinander) bestimmt sind und ihrem jeweiligen Partner die Möglichkeit geben ein neues Leben anzufangen. Oder sich selber etwas erfüllen möchten…. Hängt nichts verantwortungsvolles an der Scheidung (wie immer natürlich Geld oder wichtiger die Kinder), mag es jeder Betroffene als Chance oder Hoffnung sehen… Voraussetzung dafür ist natürlich, dass im Vorfeld der Scheidung keine „Schweinereien“ passiert sind…. Betrug, Schlammschlacht, Gewalt…

Geht es nur um Geld, ist es auch noch erträglich (außer man ist extrem auf finanziellen Hintergrund fixiert), denn schließlich muss man sich den Rest des Lebens nur noch mit der einen (geschiedenen) Person auseinander setzen. Aber gerade die 170.000 Kinder sind diejenigen, die ähnlich Kriegen in der dritten  Welt, als Opfer in Scheidungskriegen auf den Schlachtfeldern zurückbleiben.

In diversen Managementseminaren lernt man einiges über Techniken, wie Menschen beeinflusst und manipuliert werden können. Gedacht für den Büroalltag, als Projektleiter und Berater dienen sie einem, zu identifizieren, welche Techniken benutzt werden und gegebenenfalls selber im Rahmen von Projekten einzusetzen. Wie ich nun feststellte, sind die gleichen Techniken ein wesentlicher Bestandteil auch in „schiefgehenden“ Scheidungen. Die folgenden aufgezählten Techniken könnt Ihr zur Bewertung heranziehen, sollte in Eurem Bekanntenkreis eine solche Technik zum Einsatz gekommen sein. Ein pauschales Hilfsmittel zur Unterbrechung des resultierenden Teufelskreises kann ich leider nicht liefern… da hängt sehr vieles von den handelnden Personen ab. Grundsätzlich ähnelt diese sehr der Technik, wie sie von Sekten angewandt wird, ein sehr hilfreichen und guten Artikel dazu findet Ihr unter Brutale Verführer.

Das erschreckende für mich dabei ist allerdings, dass dieses von den eigenen Eltern mit vollem Wissen an den eigenen Kindern verübt wird, ein vorhandenes Vertrauensverhältnis wird dabei „missbraucht“, die Grenze zum wirklichen „Missbrauch“ wird erschreckend dünn.

Würde ich von den obigen Zahlen ausgehen und von meinem „gefühlten“ Wert, dass 50% aller Scheidungen mit Kinder in einer Art von Krieg ausarten, dann wären das immerhin erschreckende 85.000 Kinder pro Jahr, die einem Druck ausgesetzt werden, der nicht notwendig, nein, nachhaltig negativ sich auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. Nicht sofort, sondern weit in das Erwachsenenalter hineinreichend…. denn die natürliche Bindung an die Eltern endet nie… und damit der Konflikt von Kindern entscheiden zu müssen, was richtig oder falsch war.

Um einmal konkreter auf die beiden mir bekannten Fälle einzugehen (ich gebe dabei nur meine eigenen Eindrücke und Analysen der Situationen wieder) und halte mich einmal in der Nomenklatur an die drei Phasen nach Lewin: „Unfreezing“, „Moving“ und „Refreezing“

Vorbereitung

Kinder haben Vertrauen zu Ihren Eltern. In einer Scheidung haben sie das Problem zwischen beiden entscheiden zu müssen, was richtig und falsch ist. Insbesondere wenn widersprüchliche Aussagen erfolgen. Und doch wird es immer bei einem der beiden Partner einen Auslöser geben, der zu Zweifeln oder einer Krise führen kann. Sei es ein Streit mit der Mutter, wo diese Kinder ungerechtfertigt bestraft (nach Ansicht der Kinder) oder eine Nicht-Erfüllung eines dringlichen Wunsches seitens des Vater. Kommen nach weitere äußere Einflüsse hinzu (Schulstress, Pubertät, Streit mit Freunden, Liebeskummer) hat der Partner, der es ausnutzen möchte, den idealen Ansatzpunkt gefunden, um das Spiel zu beginnen.
–In einer normalen Elternrolle würde dieser jetzt als Schlichter oder Mediator auftreten… Problem ansprechen, wenn möglich im Dreieck klären—
Im sogenannten „love bombing“ wird viel Anteil genommen, das vorhandene Vertrauen genutzt und dann nach und nach negativ erlebtes abgefragt. Selbst Punkte, die mehrere Jahre zurückliegen werden in mehreren Sitzungen hervorgekramt und für jeden Punkt immer mehr Verständnis gezeigt, Tränen getrocknet. Suggestivfragen zu Negativpunkten vertiefen das Leid,  gezielte Fragen vertiefen Wunden.
Wenn das Kind durch diese Technik auf dem Tiefpunkt angelangt ist (natürlich, wie jetzt durch die vielen Gespräche bewiesen), beginnt die zweite Phase.

Ersetzen

Ausgehöhlt, hilfesuchend, hat das Kind nur noch einen Ansprechpartner, an den es sich wenden kann. Es fängt an, Suggestivfragen und die „neuen“ Wertegefühle aufzusaugen, sich selber neu mit Kraft zu füllen. Alle diese Punkte werden argumentativ ja „nur zu deinem besten“ eingesetzt, die Willenskraft des Kindes ist aber so geschwächt, dass es seine eigenen vorherigen Wertgefühle nicht mehr zum Einsatz bringen kann, nicht mehr selber bewerten kann, was richtig oder nicht ist. Es folgt die dritte und letzte Phase…

Verstärken

Das Kind hat einen neuen Kopf, aber es kann sein, dass da immer noch Gedanken rebellieren mit den alten Gefühlen. Die Liebe Eltern gegenüber wirkt noch immer, obwohl dieses in der zweiten Phase gehörig bearbeitet wurde. Und…. das Kind hat Schuldgefühle, weil seine Gedanken und Gefühle vielleicht nicht immer übereinstimmen, viele der neuen Sachen/Gedanken „gegen“ das andere Elternteil zielen.
Daher wird von der handelnden Elternseite in dieser Phase immer und immer wiederholt, gefestigt… jede noch so kleine Veränderung wird plötzlich als positive Auswirkungen der „neuen“ Richtung gedeutet, nur so war es richtig, das Alte alles falsch. Und schließlich, wenn das Kind wie ein Tonband alles auswendig wiederholen kann, wenn Aussagen und Gesprochenes im eigenen Sinne falsch interpretiert wird, dann kann die bis jetzt angehaltene Isolation gelockert werden.

Isolation ist ein wichtiger Faktor….. während der ganzen destabilisierenden Phase wäre es zu gefährlich gewesen, das Kind zum Ex-Partner zu lassen. Zu groß die Gefahr, dass die begonnene Umerziehung durch einen plötzlichen Liebesschub aufgehoben wird, der Schmerz die Kinder doch zum Gespräch führt.

Es ist an Euch zu entscheiden, ob das Missbrauch ist. Und es ist gut zu wissen, dass manchmal die Gefühle eines Kindes stärker sind, Willen zum Widerstand verbleibt, beides wird danach bestraft… und Kinder wollen geliebt werden… nicht bestraft werden.

Ich hoffe, dass es keinem mehr passiert, kein Elternteil zu solchen Methoden mehr greift und doch wird es passieren. Kein Appell wird daran was ändern können. Ihr könnt versuchen die Isolation zu brechen, wenn Ihr die Möglichkeit habt, ihr könnt versuchen, das „neue„ Wertesystem aufzuweichen, in dem Ihr Eure Gefühle zeigt, an das alte erinnert, was hoffentlich noch tief schlummert, doch nicht durch Argumente.
Wie ich schon früher einmal in einem Eintrag schrieb: Der Staat kann Euch nicht dadurch helfen dieses zu unterbinden, sondern Unterstützung geben, wie ihr selber psychologisch mit der Situation klar kommt.

Vielleicht irgendwann….