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Finanzielle Folgen eines Rosenkrieges…

Scheidungen sind teuer…. jeder weiss es, doch wie wirken sich diese aus und welche Erfahrungen habe ich gemacht ? Bitte beachten: Hier sind Erfahrungen niedergeschrieben, eine rechtliche Beratung kann nur durch einen Anwalt für Euren Einzelfall erfolgen (so wie alle Beiträge auf dieser Seite). Insofern ist dies nur als Liste gesammelter Tipps zu verstehen.

In 9 Jahren nach Trennung habe ich eine Gesamtsumme von über 170.000,- EURO Unterhalt an meine Kinder (/EX-Frau inkl. Haus Kredite) gezahlt… dazu kommen Rechtsanwaltkosten über 10.000,- EURO

Wie immer hängt es im wesentlichen davon ab, ob die Scheidung im guten oder im schlechten vollzogen wird. Fairness scheint leider vielfach mit der Trennung verloren zu gehen, unabhängig welche Seite die Hauptschuld trägt (wenn überhaupt eine Seite die Schuld trägt). Nach nunmehr 9 Jahren habe ich zumindest für den Fall Rosenkrieg viele schlechte Erfahrungen gemacht und wenn eine Seite (in meinem Fall die Mutter) den Ruin der Gegenseite möchte, ihr dann auch diese Möglichkeiten von Seiten des Gesetzgebers geboten werden. Für diesen Fall ist es wichtig bereits frühzeitig Regelungen zu treffen. Auch wenn es schmerzt kurz nach der Trennung bereits über bestimmte Themen zu sprechen, dient das tatsächlich dem finanziellen Überleben einer Seite. Es gab Zeiten, zu denen ich unter den Sozialhilfesätzen trotz gut bezahlten Arbeitsverhältnis lag.

Mein Beispielfall: Verheiratet über 10 Jahre, drei Kinder, Haus frühzeitig gekauft, Kredite auf einem Restbestand von ca. 43%. Während der Ehe wurde die Abtragung der Kredite fast ausschliesslich durch mich getragen, kurz vor Trennung fing die Ehefrau wieder an in Teilzeit zu arbeiten.

1.  Zugewinnausgleich

Dazu hatte ich bereits geschrieben. Wichtig hierbei ist es in der Trennungszeit (und nur wenn die Trennung endgültig ist, man darf schliesslich die Hoffnung nicht aufgeben) festzulegen, wie und durch wen Kredite getragen werden. Im schlechten Fall müssen die Kredite durch einen getragen werden, was zum Zeitpunkt der Scheidung einem Totalverlust des investierten Geldes bedeutet.

2. Trennungszeit und Scheidung

Achtet darauf, ob in Eurem Arbeitsvertrag Zusatzleistungen für Familien, Ehegatten, Kinder enthalten sind. Ist dies der Fall (Beamte, öffentliche Angestellte, Angestellte öffentlich-rechtlicher Anstalten), dann stehen Euch deutliche Gehaltssenkungen bevor. Über diese Reduzierungen sollten vorher gemeinsames Verständnis herrschen, ebenso über Gehaltssenkungen aufgrund von geänderten Lohnsteuerklassen, Kinderfreibeträge. Sollte Unterhaltsbeträge beurkundet worden sein, dann sollte unmittelbar eine Änderung durchgeführt werden.

3. Arbeitsplatzwechsel

Kindern steht ein gesicherter Unterhalt zu. Ein freiwilliger Wechsel in einen schlechter bezahlten Arbeitplatz wird von Seiten des Gesetzgebers nicht so einfach akzeptiert um Unterhaltsbeträge zu reduzieren. Bei einem Arbeitsplatzverlust ist der Unterhaltspflichtige verpflichtet einen möglichst gleich gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden. Ärgerliches passiert, wenn Ihr in einem Jahr in einen besser bezahlten Arbeitsplatz wechselt. Der Unterhalt wird dann auf Basis des neuen Gehaltes berechnet, eventuell verlorene Boni bzw. Urlaubs- und Weihnachtsgelder (Gehaltsreduzierungen aufgrund des Wechsels) werden nicht berücksichtigt ! Es kann also passieren, dass Ihr zeitweise mehr Unterhalt zahlt, als Ihr in dem Jahr verdient habt.

4. Steuern

Eine gute Nachricht: Der anteilige Kinderfreibetrag kann Euch nicht genommen werden, wenn Ihr Unterhalt leistet. Zahlt Ihr Betreuungsunterhalt, besteht die Möglichkeit diesen bei den Sonderausgaben abzusetzen. Dazu benötigt Ihr die Anlage U, da Euer Ex-Partner den Unterhalt als Einkommen versteuern muss (gegenseitiges Einverständnis), Steuernachteile des Ex-Partners müssen dann durch Euch ausgeglichen werden.

Die schlechte Nachricht: Der Gesetzgeber hat in der vergangenen Jahren den Ausbildungsfreibetrag neu definiert: Betreuungsfreibetrag ! Will heissen: der Ex-Partner hat die Möglichkeit ohne Genehmigung von Euch jederzeit diesen Freibetrag auf sich übertragen zu lassen (wenn die Kinder Vollzeit bei ihm gemeldet sind). Lösungen hierfür: Entweder im Vorfeld mit Ihm die Steuervorteile berechnen lassen und entsprechend vergüten oder die Kinder mit Zweitwohnsitz bei sich melden. Beides setzt allerdings Fairness beim Ex-Partner voraus (oder eine entsprechende Einigung). Das Finanzamt kann durch Kontrollmitteilungen bis zu 5 Jahre im Nachhinein korrigieren lassen, die Höhe des finanziellen Schadens bei Euch hängt von der Anzahl der Kinder und des derzeitigen Steuersatzes ab. Euch muss bewusst sein, dass es hier um tausende von EURO geht, die dann auf der anderen Seite das Einkommen (und damit den Kindesunterhalt) mindern.

5. Kindesunterhalt

Die Beurkundung des Unterhaltes durch das zuständige Jugendamt ist kostenlos und sinnvoll. Ihr verpflichtet Euch zwar auf diese Art den beurkundeten Unterhaltsbetrag zu zahlen (Änderungen im negativen Sinne z.B. durch Arbeitsplatzverlust sind möglichst unverzüglich erneut zu ändern), allerdings wird im Streitfall dieser Betrag bei einem Gerichtsfall nicht zur Berechnung der Kosten herangezogen. Dies reduziert mögliche Kosten ! Eine Neuberechnung kann durch den Ex-Partner alle zwei Jahre eingefordert werden (so sich nichts ändert), treten wesentliche Veränderungen ein, kann dieser Zeitraum reduziert werden (z.B. Arbeitsplatzwechsel, Gehaltssprung etc.).

Wichtig: Habt Ihr neu geheiratet und ist Euer neuer Partner von Euch unterhaltsberechtigt, kann sich das auf den Kindesunterhalt auswirken !

Sobald Eure Kinder 18 sind, verändert sich die Berechnung des Kindesunterhaltes wesentlich. Geht für den Zeitpunkt unbedingt auf Euren Anwalt für eine Neuberechnung zu !

6. Unterhalt an den Ex-Partner

Kompliziert und viele Urteile 🙂

Grundsätzlich hat der Gesetzgeber viel verändert und unbegrenzte Unterhaltszahlungen sind heutzutage fast unmöglich. Allerdings hängt vieles von den Lebensumständen und vom Alter/Anzahl der Kinder ab. In meinem Fall waren es 9 Jahre.

 

Ich hoffe durch diese Liste ein paar Tipps geben zu können. Allerdings wie schon oben gesagt, müßt Ihr für Euren Fall abwägen,  was und in welchem Punkt Ihr nutzen wollt und unbedingt mit Eurem Anwalt besprechen. Insbesondere wenn es um die Absicherung Eurer eigenen Existenz geht, sind frühzeitige Regelungen (nicht zeitlich verbindlich) von Vorteil.

Scheidung – wirtschaftliche Abzocke bei Zugewinnausgleich

Nicht ganz chronologisch, aber das Thema ist sehr wichtig, solltet Ihr Euch zu diesem Schritt entschieden haben.

Zur eigenen Geschichte: Nachdem meine Ex-Frau bei der Arbeit jemand neues kennen gelernt hatte, stellte sie die grundlegende Frage „Soll es eigentlich ewig so weitergehen ?“
Meine Entscheidung war es, nicht so weiterzumachen und nach gut einem Jahr Trennung stellte ich auch den Scheidungsantrag. Vielleicht hätte ich anhand der Vorkommnisse in diesem Jahr schon absehen können, was eintraf, allerdings versuchte ich mit allen Mitteln Streit innerhalb der Scheidung zu verhindern.

Zum Zeitpunkt einer Scheidung findet eine Aufstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse vor und nach der Ehe statt. In diesem Fall sah es recht einfach aus: Kurz vor der Ehe wurde ein Haus gekauft, ein geringes Startkapital wurde seitens meiner EX-Frau beigesteuert, ich übernahm in den folgenden Jahren (auch während der Ehe) die Abzahlung der Schulden. Zum Zeitpunkt der Scheidung war das Haus nur noch unter 44% belastet.

Grundlage der Berechnung ist es, dass alles während der Ehe (unabhängig davon wer was gezahlt hat) jeweils zu 50% beiden Partnern zugerechnet wird. Im Endeffekt ist dann die Summe der Anfangsbestände (vor Ehe) und Endbestände (Verbindlichkeiten negativ) der Zugewinn. Und dieser muss ausgeglichen werden.

Während der Berechnung wurde meinem Anwalt jedoch damals plötzlich ein Schreiben der Schwiegereltern vorgelegt, welches ihrer Tochter beträchtliche Schenkungen während der Ehe beschied, die ausdrücklich nur ihrer Tochter zugeordnet werden sollte. Auch wenn die Aussage gelogen war und nur dazu diente den eigenen Anteil meiner EX-Frau zu steigern, stand die Forderung trotzdem erstmal im Raum.

Rumms, da war es… absehbar aufgrund vorheriger Aktionen bestand plötzlich nur noch die Entscheidung um des Friedens Willen diese Schenkungen zu akzeptieren oder diese gerichtlich anzufechten (Wichtig: das ist möglich, die Beweislast liegt dann beim jeweiligen EX-Partner). Ich entschied mich für den Frieden, auch wenn ich das heute noch bereue, denn Frieden erfordert beide Seiten um eingehalten zu werden.

Bei der Berechnung des Zugewinns solltet ihr also vorher schon für Euch bewerten, ob es Wert ist einen Kampf einzugehen oder nicht (bitte den Anwalt dazu befragen !). Wenn bereits vorher (unfaire) Vorkommnisse im Verfahren waren, würde ich mir heute selber zum Kampf raten.