Archiv der Kategorie: Psychologische Methoden

Ein radikaler Schritt

Vor zwei Jahren beschlossen meine Frau (2te Ehe) und ich einen radikalen Schritt vorzunehmen. Obwohl die Nähe zu meinen Kindern (wenn auch zu den Jungs eher in Gedanken) etwas gutes war, zeigte sich doch, dass die emotionale Belastung sowohl für meine Tochter als auch meine Frau durch die immer wiederkehrenden Aktionen der Ex-Frau einfach zu hoch war.

Da alle meine Kindern inzwischen (10 Jahre nach Trennung) in einem Alter angekommen waren, dass sie allein mit der Bahn oder dem Flugzeug reisen konnten, beschlossen wir nicht nur ein wenig weg zu ziehen, sondern in den Süden Deutschlands zu wechseln.

Drei Effekte kamen hoch:

1. Positiv: Meine Jungs namen wieder Kontakt auf und kommen inzwischen regelmäßig zu Besuch. Auch tauschen wir immer wieder Nachrichten über Messenger aus.

2. Positiv: Die Spannungen haben sowohl bei meiner Tochter als auch meiner Frau abgenommen… wenn die Kinder hier sind, dann sind sie vollständig anwesend…. nicht mit den Gedanken bereit am nächsten Tag wieder zu gehen.

3. Negativ/Positiv: Sofort mit dem Umzug wurde eine Sorgerechtsklage bei Gericht eingereicht… mit der Begründung, ich würde versuchen mich dem Unterhalt zu entziehen und sei unbekannt verzogen. Nach einer erfolgten unabhängigen Untersuchung durch die Hakiju (über das Gericht angeordnet) wurde dem Gericht aber angedeutet, dass die Klage jeder Grundlage entbehrte. Allerdings erst nachdem das Gericht das Erscheinen und Befragen der Kinder im Gericht anordnete, zog die Ex-Frau die Klage zurück (zuviel wäre ans Tageslicht gekommen).

Es ist also positiv festzustellen, dass Gerichte durchaus genauer heutzutage die Situationen beleuchten und nicht pauschal zugunsten der Kindesmutter entscheiden.

Hilfe im Streitfall durch das Jugendamt

Vor etwas über 3 Jahren eskalierte im Rahmen meiner Scheidung die Situation zwischen meiner EX-Frau und mir in Bezug auf die Kinder.
Wie in einem vorherigen Artikel beschrieben, setzte sie das sogenannte LoveBombing bei einem meiner Söhne ein…. und ich bemerkte es zu spät, als dass ich noch hätte eingreifen können. Nach 5 Monaten wusste ich nicht mehr weiter und bat um einen Termin beim örtlichen Jugendamt mit der Bitte um Unterstützung. Die junge Sachbearbeiterin hörte sich ruhig meinen Fall an und versprach dann mit der Mutter zu sprechen. Mit etwas Hoffnung ging in an dem Tag nach Hause und wartete auf die Antwort.
Sie kam, nur knapp eine Woche nach dem Termin und war anders als erwartet. Mir teilte die junge Frau mit, es sei doch gar nicht so schlimm. Immerhin würde ich meine Tochter weiter sehen. In diesem Gespräch wurde ich nach und nach immer unruhiger. Ich bat die Frau, dass sie bitte unbedingt mit meinen beiden Söhnen direkt sprechen solle, ohne die Anwesenheit ihrer Mutter. Sie versprach es und wollte mich dann später informieren.
Wieder 2-3 Wochen später fragte ich nach dem Stand der Dinge, und fiel aus allen Wolken….. Die junge Mitarbeiterin des Jugendamtes Hamburg-Harburg hatte zwar mit der Mutter gesprochen, doch die hätte abgelehnt sie mit den beiden Jungs sprechen zu lassen. Und damit war alles erledigt, keine weitere Aktivität. Ich war etwas entsetzt. Es wurde einfach ignoriert… ICh wusste, dass ich bei diesem Amt nicht weiterkommen würde und bat um einen Termin bei der Elternberatungsstelle.
Leider sind die Wartezeiten bei dieser Unterstützungsstelle teilweise etwas länger und daher bekam ich erst nach knapp 6 Wochen einen Termin. Mir wurde aber zum erstenmal richtig zugehört. Und man nahm mich ernst, da ich bereits zwei Jahre zuvor dort einmal um Hilfe gebeten hatte. Im Rahmen eines langen Gespräches versuchte ich die Situation zu erklären und wurde auch immer wieder auf die sachliche Ebene zurückgeführt (es ist schwer immer extrem neutral alles zu berichten). Am Ende des Gespräches versprach mir der Leiter der Stelle, die Situation mit seinen Kollegen einmal zu besprechen und Möglichkeiten zu erörtern, was man in diesem Fall machen könnte.
Knapp eine Woche später hatte ich das erneute Gespräch und Ergebnisse waren ernüchternd. Die Rechtslage in Deutschland sieht fast immer eine Entscheidung im Streitfall für die Mutter vor, selbst wenn diese Ihre Kinder mit solchen psychologischen Methoden misshandelt. Und ebenso traurig war auch die Aussage für mich, dass dieses Handeln und dieser Hass mich bis an ihr Lebensende verfolgen würde (was mir der Herr auf Basis seiner Erfahrungen mitteilte). Er verwies mich auf das alte salomonische Urteil… (zwei Frauen, die um ein Kind stritten) nur das in diesem Fall und bei der aktuellen Lage in Deutschland es für die Kinder besser sei, sich mit der Situation anzufinden und die Kinder nicht weiter in den Streit hineinzuziehen.

Fazit:
-Es gibt Stellen, die einem zuhören und versuchen herauszufinden, was gemacht werden kann. Dort werden auch Kurse zum Beispiel für Väter angeboten, um die Situation zu ertragen und damit umzugehen.
-Wenn Ihr Hilfe beim Jugendamt möchtet, achtet darauf auf keinen Fall eine junge Sachbearbeiterin zu bekommen. Die, die im meinem Fall zuständig war, wurde nicht lange nach meinem Hilfegesuch aufgrund eines nicht erkannten Missbrauchfalles vom Dienst suspendiert.
-Lernt von Euren Kindern Abschied zu nehmen (so traurig es ist…)

Psychologisch geführter (EX) Ehekrieg mit kindlichen Opfern

Seit einigen Jahren nun scheint die Quote der Scheidungen in Deutschland zu sinken… prinzipiell ein gutes Anzeichen, würde es doch bedeuten, dass entweder sich mehr Paare richtig zusammengefunden haben, oder, sich zumindest Arrangements gefunden haben.
Bis zum Jahr 2003 war die Anzahl der Scheidungen stetig gestiegen… und gleichzeitig auch die Anzahl der betroffenen Minderjährigen Kinder bis zum Höhepunkt von knapp über 170.000 in 2003.

Auf der einen Seite ist es vielleicht eine gute Entscheidung, wenn zwei Menschen feststellen, dass sie halt nicht für die Ewigkeit füreinander (oder miteinander) bestimmt sind und ihrem jeweiligen Partner die Möglichkeit geben ein neues Leben anzufangen. Oder sich selber etwas erfüllen möchten…. Hängt nichts verantwortungsvolles an der Scheidung (wie immer natürlich Geld oder wichtiger die Kinder), mag es jeder Betroffene als Chance oder Hoffnung sehen… Voraussetzung dafür ist natürlich, dass im Vorfeld der Scheidung keine „Schweinereien“ passiert sind…. Betrug, Schlammschlacht, Gewalt…

Geht es nur um Geld, ist es auch noch erträglich (außer man ist extrem auf finanziellen Hintergrund fixiert), denn schließlich muss man sich den Rest des Lebens nur noch mit der einen (geschiedenen) Person auseinander setzen. Aber gerade die 170.000 Kinder sind diejenigen, die ähnlich Kriegen in der dritten  Welt, als Opfer in Scheidungskriegen auf den Schlachtfeldern zurückbleiben.

In diversen Managementseminaren lernt man einiges über Techniken, wie Menschen beeinflusst und manipuliert werden können. Gedacht für den Büroalltag, als Projektleiter und Berater dienen sie einem, zu identifizieren, welche Techniken benutzt werden und gegebenenfalls selber im Rahmen von Projekten einzusetzen. Wie ich nun feststellte, sind die gleichen Techniken ein wesentlicher Bestandteil auch in „schiefgehenden“ Scheidungen. Die folgenden aufgezählten Techniken könnt Ihr zur Bewertung heranziehen, sollte in Eurem Bekanntenkreis eine solche Technik zum Einsatz gekommen sein. Ein pauschales Hilfsmittel zur Unterbrechung des resultierenden Teufelskreises kann ich leider nicht liefern… da hängt sehr vieles von den handelnden Personen ab. Grundsätzlich ähnelt diese sehr der Technik, wie sie von Sekten angewandt wird, ein sehr hilfreichen und guten Artikel dazu findet Ihr unter Brutale Verführer.

Das erschreckende für mich dabei ist allerdings, dass dieses von den eigenen Eltern mit vollem Wissen an den eigenen Kindern verübt wird, ein vorhandenes Vertrauensverhältnis wird dabei „missbraucht“, die Grenze zum wirklichen „Missbrauch“ wird erschreckend dünn.

Würde ich von den obigen Zahlen ausgehen und von meinem „gefühlten“ Wert, dass 50% aller Scheidungen mit Kinder in einer Art von Krieg ausarten, dann wären das immerhin erschreckende 85.000 Kinder pro Jahr, die einem Druck ausgesetzt werden, der nicht notwendig, nein, nachhaltig negativ sich auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. Nicht sofort, sondern weit in das Erwachsenenalter hineinreichend…. denn die natürliche Bindung an die Eltern endet nie… und damit der Konflikt von Kindern entscheiden zu müssen, was richtig oder falsch war.

Um einmal konkreter auf die beiden mir bekannten Fälle einzugehen (ich gebe dabei nur meine eigenen Eindrücke und Analysen der Situationen wieder) und halte mich einmal in der Nomenklatur an die drei Phasen nach Lewin: „Unfreezing“, „Moving“ und „Refreezing“

Vorbereitung

Kinder haben Vertrauen zu Ihren Eltern. In einer Scheidung haben sie das Problem zwischen beiden entscheiden zu müssen, was richtig und falsch ist. Insbesondere wenn widersprüchliche Aussagen erfolgen. Und doch wird es immer bei einem der beiden Partner einen Auslöser geben, der zu Zweifeln oder einer Krise führen kann. Sei es ein Streit mit der Mutter, wo diese Kinder ungerechtfertigt bestraft (nach Ansicht der Kinder) oder eine Nicht-Erfüllung eines dringlichen Wunsches seitens des Vater. Kommen nach weitere äußere Einflüsse hinzu (Schulstress, Pubertät, Streit mit Freunden, Liebeskummer) hat der Partner, der es ausnutzen möchte, den idealen Ansatzpunkt gefunden, um das Spiel zu beginnen.
–In einer normalen Elternrolle würde dieser jetzt als Schlichter oder Mediator auftreten… Problem ansprechen, wenn möglich im Dreieck klären—
Im sogenannten „love bombing“ wird viel Anteil genommen, das vorhandene Vertrauen genutzt und dann nach und nach negativ erlebtes abgefragt. Selbst Punkte, die mehrere Jahre zurückliegen werden in mehreren Sitzungen hervorgekramt und für jeden Punkt immer mehr Verständnis gezeigt, Tränen getrocknet. Suggestivfragen zu Negativpunkten vertiefen das Leid,  gezielte Fragen vertiefen Wunden.
Wenn das Kind durch diese Technik auf dem Tiefpunkt angelangt ist (natürlich, wie jetzt durch die vielen Gespräche bewiesen), beginnt die zweite Phase.

Ersetzen

Ausgehöhlt, hilfesuchend, hat das Kind nur noch einen Ansprechpartner, an den es sich wenden kann. Es fängt an, Suggestivfragen und die „neuen“ Wertegefühle aufzusaugen, sich selber neu mit Kraft zu füllen. Alle diese Punkte werden argumentativ ja „nur zu deinem besten“ eingesetzt, die Willenskraft des Kindes ist aber so geschwächt, dass es seine eigenen vorherigen Wertgefühle nicht mehr zum Einsatz bringen kann, nicht mehr selber bewerten kann, was richtig oder nicht ist. Es folgt die dritte und letzte Phase…

Verstärken

Das Kind hat einen neuen Kopf, aber es kann sein, dass da immer noch Gedanken rebellieren mit den alten Gefühlen. Die Liebe Eltern gegenüber wirkt noch immer, obwohl dieses in der zweiten Phase gehörig bearbeitet wurde. Und…. das Kind hat Schuldgefühle, weil seine Gedanken und Gefühle vielleicht nicht immer übereinstimmen, viele der neuen Sachen/Gedanken „gegen“ das andere Elternteil zielen.
Daher wird von der handelnden Elternseite in dieser Phase immer und immer wiederholt, gefestigt… jede noch so kleine Veränderung wird plötzlich als positive Auswirkungen der „neuen“ Richtung gedeutet, nur so war es richtig, das Alte alles falsch. Und schließlich, wenn das Kind wie ein Tonband alles auswendig wiederholen kann, wenn Aussagen und Gesprochenes im eigenen Sinne falsch interpretiert wird, dann kann die bis jetzt angehaltene Isolation gelockert werden.

Isolation ist ein wichtiger Faktor….. während der ganzen destabilisierenden Phase wäre es zu gefährlich gewesen, das Kind zum Ex-Partner zu lassen. Zu groß die Gefahr, dass die begonnene Umerziehung durch einen plötzlichen Liebesschub aufgehoben wird, der Schmerz die Kinder doch zum Gespräch führt.

Es ist an Euch zu entscheiden, ob das Missbrauch ist. Und es ist gut zu wissen, dass manchmal die Gefühle eines Kindes stärker sind, Willen zum Widerstand verbleibt, beides wird danach bestraft… und Kinder wollen geliebt werden… nicht bestraft werden.

Ich hoffe, dass es keinem mehr passiert, kein Elternteil zu solchen Methoden mehr greift und doch wird es passieren. Kein Appell wird daran was ändern können. Ihr könnt versuchen die Isolation zu brechen, wenn Ihr die Möglichkeit habt, ihr könnt versuchen, das „neue„ Wertesystem aufzuweichen, in dem Ihr Eure Gefühle zeigt, an das alte erinnert, was hoffentlich noch tief schlummert, doch nicht durch Argumente.
Wie ich schon früher einmal in einem Eintrag schrieb: Der Staat kann Euch nicht dadurch helfen dieses zu unterbinden, sondern Unterstützung geben, wie ihr selber psychologisch mit der Situation klar kommt.

Vielleicht irgendwann….