Hmm, ich habe wieder etwas gelernt. Gerade einen langen Text sollte ich nicht online schreiben, da mir dann die php Session ID verloren geht. So fange ich dann noch einmal von vorne an.
Wie kam ich auf das Thema ? Ach ja, am Wochenende hatte ich mit Belle eine Diskussion über Wertungen in Artikeln, darüber ob etwas überhaupt neutral geschrieben werden kann. Sie hatte einen alten Artikel von mir in der Hand und schmunzelte über die Einleitung...
Albert Einstein sagte einmal zu den Theorien der Quantenphysik "Gott würfelt nicht". Hintergrund war damals die Annahme der Theoretiker, dass bestimmte Zustände in der Physik nicht entweder so oder so sind, sondern dass es bestimmte Wahrscheinlichkeiten gibt, dass etwas in einem Zustand ist. Quantenphysiker wiederum sagten im Gegenzug, dass sie sich ja nur auf Fakten aus Experimenten beziehen würden. Wer hatte also Recht ? Jeder von seinem Standpunkt aus hat seine Überzeugung vertreten und sich auf Fakten berufen. Naja, Einstein vielleicht ein wenig "spiritueller". Aber selbst religiöse Ansichten können als Fakt angesehen werden, wenn Sie durch die Mehrheit bestätigt werden (hat ja nichts mit Wahrheit zu tun).
Vor einen Tagen ging sowohl bei Golem als auch bei Heise die Nachricht ein, dass der Chefredakteur einer bekannten amerikanischen Computerzeitung von seinem Chef "gefeuert" wurde, weil er einen kritischen Artikel über den Hersteller Apple veröffentlichen wollte. Nach den vorliegenden Informationen sah sein Chef dann Werbeeinnahmen gefährdet. Ein Aufschrei ging durch die Presse, grauenhaft, wie hier Informationen zugunsten der Einnahmen unterdrückt wurden ! In der Konsequenz ging der Chef, der Chefredakteur wurde zurückgeholt, eine Version des Artikels online gestellt und ein allgemeines Hurra auf den Sieg der Informationsfreiheit ausgerufen.
Ich habe den Artikel gelesen und keine wesentliche Kritik feststellen können. Ja natürlich waren Anmerkungen darin enthalten, was Apple besser machen könnte, aber der angekündigte Reisser mit dem Titel "10 Dinge die ich an Apple hasse" war es dann auch nicht.
Wer hat da eigentlich gewonnen ? Eigentlich nur der Verlag. Er hat sich mit der Aktion weltweite Aufmerksamkeit in bestimmten Medien geholt, einen Ruf auch kritische Artikel zu Werbekunden zu schreiben und fachliche Glaubwürdigkeit. Können wir als Leser uns aber dessen sicher sein ? Was war da die Wahrheit, was lief eigentlich im Hintergrund ab ?
Auf dem Weg zur Arbeit ging mir auch durch den Kopf, mit man mit möglichst wenigen Worten allein durch die Reihenfolge oder Füllwörter Überschriften so manipulieren kann, dass sie bestimmte Emotionen erzeugen. Nehmen wir mal folgendes Thema:
Schanzenviertel, Polizei, Durchsuchungen
Was wissen wir ? Die Polizei hat im Vorwege des G8 Gipfels Durchsuchungen durchgeführt. Je nachdem, welche Tageszeitung vorliegt, können die Überschriften aber anders lauten.
"Provokante Polizeiaktion und Durchsuchungen im Schanzenviertel"
"Polizei durchsucht Gebäude im linken Schanzenviertel"
"Schanzenviertel: Wieder Polizeidurchsuchungen !"
"Durchsuchungen der Polizei im Schanzenviertel"
Hmmm, es gibt also ganz viele Darstellungsmöglichkeiten, und je nach eingestreutem Zusatzwort werden Emotionen gefördert. "Wir aber nicht, wir sind ein politisch neutrales Blatt!". Blödsinn ! Kein Mensch ist objektiv, kein Journalist. Fakten werden so aufgeschrieben (soweit sie denn bekannt sind), wie sie empfunden werden. Keine Zeitung würde mehr bestimmte Leser ansprechen können, wenn nicht genau diese Wertung existiert... (abgesehen von Nacktbildern auf der ersten Seite). Es nützt auch nichts alle Zeitungen zu kaufen, alle Informationen übereinander zu legen.
Denn es liegt eigentlich nur beim Leser, welche Information er auch aufnehmen und glauben möchte. Da sind wir dann auch wieder bei Einstein.... Der Glaube bestimmt ? Und aus welchem Film stammte noch die Antwort "Weil ich Ihnen die Wahrheit berichten will ?" auf die Frage, warum jemand Journalist wurde ?
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Seltsames Leben. Menschen tendieren wirklich immer dazu, nicht nur anderen die Schuld zu zu weisen, sondern zudem auch auf keinen Fall in einen Spiegel zu schauen.
Nehmen wir doch das aktuelle Beispiel dicker Politiker, die davon reden, alle Deutschen sollten mehr Bewegung machen und schlanker werden.
Ein bekannter grüner Politiker hatte dabei die Tendenz dem 7-Jahresrhythmus der Wirtschaft zu folgen; auf die fetten Jahre folgten die Mageren. Doch ganz im Ernst: Ist das noch ernst zu nehmen ?
Nächstes Beispiel: Rauchen gehört verboten, überall !
Hmmm, ja, wenn jemand einer Sucht frönt, sollte er andere damit nicht beeinträchtigen oder stören. Leider zieht das in der Konsequenz aber auch nach sich, dass auch der Alkoholausschank in Kneipen verboten gehört. Und ebenso ungesunde Speisen, Fast-Food ? Es wird schwierig, schadet es doch keinem anderen, außer indirekt die Krankenkassenbeiträge anzuheben. Was wiederum doch eigentlich gut für die Wirtschaft ist, ein ganzes Gewerbe aus Industrie, Ärzten, Apotheken und Versicherungskaufleuten lebt davon ? Würde dann nicht eher gesund zu leben und nie zum Arzt gehen zu müssen, anderen Schaden zufügen ?
Ein wenig deprimierend am Ende: Eigentlich gehört alles von Seiten der Politik verboten, was in irgendeiner Weise andere direkt oder indirekt schädigt. Einzig und allein die Gehaltserhöhung der Bundestagsabgeordneten schadet doch keinen, oder ?
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