Seit nun zwei Jahren pendel ich wöchentlich zwischen einer Norddeutschen Großstadt und einer Hessischen Stadt (die von sich meint die größte zu sein). Man möchte doch meinen, dass eine Verbindung zwischen diesen beiden Städten gut sein sollte, aber die Erlebnisse zeigen mir anderes.
In Berlin herrscht das Chaos, S-Bahnen wurden wohl gewartet, doch scheinbar nahm man es bei der Wartung nicht ganz so genau... Kurz schauen, jo, scheint in Ordnung und weg damit, damit diese rollenden Kästen bloß nicht zu lange in der Garage stehen. Hätte nicht das Eisenbahn-Bundesamt die Züge aus Sicherheitsmängeln still gelegt, wäre wohl vielen die Störung nicht mal aufgefallen. Bei den Fernzügen hingegen fällt es deutlicher auf.... Nicht denjenigen, die mal nur in Urlaub fahren oder einmal im Monat unterwegs sind, sondern solchen seltsamen Wesen wie mir, die auf die Werbesprüche des Staatsunternehmens angewiesen sind.
Komfort, Pünktlichkeit, Stauvermeidung, Entspannung... Unternehmen Zukunft
Ich muss im Rückblick sagen (wer weiss, was da noch auf mich zu kommt), zumindest die Entspannung wird im wesentlichen eingehalten. Da ich ja viele, viele Zahlen liebe, hier einmal meine persönliche Statistik aus zwei Jahren:
50% der Züge waren im erträglichen Rahmen pünktlich (5min-45min), ca. jeder zehnte auch ziemlich gut in der Zeit. Ca. 40% der Züge hatten aber (mit Umsteigen) eine Start-Ende Verzögerung von 45min bis unendlich... mein persönlicher Rekord liegt bei 4,5 Stunden Verspätung auf der Strecke Hamburg-Frankfurt. Praktisch jedes 3te Umsteigen hat nicht funktioniert, weil der Zug etwas Verspätung hatte, manchmal hat das Glück mitgespielt und der Nachfolgezug hatte auch Verspätung.
1. Regel des Bahnfahrens: Praktisch nie ist die Bahn pünktlich, insbesondere beim Umsteigen sollte viel Luft eingeplant werden.
Ein Grund der viel Verspätungen war der Defekt des Triebfahrzeuges, einzelner Wagen, vorherfahrender Züge..... und und und. Gerade bei den von mir gebuchten Zügen scheint die Bahn immer nachzuschauen, ob ich auf der Fahrgastliste bin und tauscht dann kurzfristig den ICE gegen einen schüttel- und rüttel-Zug aus. Wenn man auf 70er-80er Jahre Stil steht, wird man bei diesen Wagen durchaus glücklich. Vom Komfort waren die alten 1ter Klasse Wagen sogar besser, der Kopf hatte seitlich eine Stütze, die Nackenschmerzen aufgrund vom einschlafen verhindern. Den besten Komfort hatte ein Wagen der schweizerischen Bundesbahn, der kurzfristig ausgeliehen werden musste (es waren wohl alle anderen Zügen in Deutschland unterwegs ?).
2. Regel des Bahnfahrens: Komfort ist in den alten 1ter Klasse Wagen vorhanden, bei neueren ICE sollte man lieber eine Nackenstütze mitbringen.
Achten sie bei der Fahrt bloß nicht auf die seltsamen Geräusche der Wagen, die während der Fahrt auftreten.... achten Sie bloß auch nicht auf die roten Lampen (so auch heute Morgen), die hektisch unter der Bremsanzeige in den einzelnen Waggons leuchten. Sollte der Zug abbremsen, so kann es auch ab und zu heftigen Gerüchen von den Bremsen kommen, kurz in den Pullover atmen hilft da schon weiter.
3. Regel des Bahnfahrens: Nicht mit Fahrgästen unterhalten, die schon so einiges erlebt haben bei der Bahn. Am besten immer den Durchsagen glauben, das hilft bei der Entspannung.
Ich hatte einmal ein schönes Erlebnis am Bahnsteig Fulda, ich wartete wiedermal auf den Anschluss ICE und dieser hatte einige Minuten (es wurde inzwischen 55min durchgesagt) Verspätung. In dieser Zeit konnte ich der Unterhaltung vom Bahnpersonal lauschen, die nacheinander die aufgetretenen Katastrophen am Zug aufzählten: Der hintere Triebkopf war ausgefallen, konnte nur noch in eine Richtung fahren, daher war eine Zugtrennung in Hannover nicht mehr möglich. Der vordere funktionierte zwar noch, allerdings war das Bremssytem defekt, deswegen durfte der Zug nicht mehr so schnell fahren. Bei Würzburg war dann zusätzlich noch in einem Wagen die Technik gestört (es gingen keine Türen mehr auf), so daß dieser für Passagiere geräumt werden musste. Alles in allem waren es am Ende doch nur 80min Verspätung... ging doch.
Mein Rekord in den Verspätungen war sogar in der Zeitung, der vorausfahrende ICE hatte die Oberleitung beschädigt, wir durften einer aufregenden Evakuierung des anderen Zuges im Tunnel beiwohnen. Passagiere konnten problemlos auch in den Gängen übereinander gestapelt werden (passiert auch in normalen Pendelzügen) und aufgrund der Strecke.... hatten wir erstmal Stau... Den haben wir durchaus häufiger, nur heisst es bei der Bahn: stark belastete Streckenführung....
4. Regel des Bahnfahrens: Lernen Sie autogenes Training oder eine asiatische Entspannungsmethode... das hilft bei vollen Zügen nicht tief atmen zu müssen.
Taxi fahren ist immer ein Quell des Wissens. Probieren Sie es mal aus... irgendwie gibt es immer etwas neues zu erfahren, vielleicht ist es nicht immer richtig (Nein, Berlin hat nicht mehr Brücken als Hamburg und ist auch von der Grundfläche größer), aber kleine Schmuckstücke sind immer dabei. So fuhr mich neulich einer, der in der Vergangenheit immer Zugführer zum Rangierbahnhof Maschen bringen musste. Dieser erzählte ihm von seiner Arbeit und bestätigt insgeheim meine eigene Statistik: 50% der Züge werden auch defekt und die Schiene geschickt (sind mal halt nur Bremsanlagen und so) und viele fahren im Tempo über den für die Strecken zugelassenen Tempo (150 statt 120) um verlorene Zeit wieder gut zu machen (die sie danach doch wieder verlieren).
5. Regel des Bahnfahrens: Nutzen Sie es als Überraschungs- und Erlebnisurlaub.
Man bekommt bei der Bahn nie mehr Leistung als für die man bezahlt hat. Aber sehr, sehr häufig weniger. Wussten Sie, dass aufgrund vom Buchungssystem der Bahn Fahrplatzreservierung auch doppelt vergeben werden ? Wird anstelle eines ICE ein IC eingesetzt (auch eine Woche vorher bekannt, da ich für den IC die Reservierung bekommen habe), so haben für den gleichen Platz vorher schon andere eine Reservierung für den ICE bezahlt. Ebenso den ICE Aufschlag... Da viele nicht die Nerven haben, sich das Geld mühsam im nachhinein wieder zu holen, verdient die Bahn doppelt an diesen Plätzen.
Sehr gut ist auch die durchdachte Desinformation an den Bahnsteigen. Sonntag abends bekam ich schon nur noch eine Reservierung für einen IC Ersatzzug, Montag Morgen hieß es am Bahnsteig: Der ICE sei gerade eben noch durch den IC Ersatzzug ersetzt worden. Zeitdiletation ?
Fliegen ist derzeit noch kein Ersatz, zu teuer der Anflug in Frankfurt, aber ich hoffe....
Die Bahn ist in der derzeitigen Version eine Notlösung, gerade noch besser als ein Auto. Das, womit sie sich selber anpreist, hält sie aber in keinster Weise ein. Dafür gibt es für BahnCard Kunden ganz tolle Geschenke, die eine gewisse Ironie aufweisen (für noch mehr Comfort !)....
Würden Sie in der freien Wirtschaft einen Partner/Lieferanten wählen, von dem Sie wissen, das er zu 80% nicht einhält, wofür er Ihr Geld bekommt ? Pech für die Bahn, dass sie sich in Berlin hat erwischen lassen... Bundesweit scheint sie noch damit durchzukommen.
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